Wo sich unsere Wege zum erste Mal kreuzten

Wie sich Dinge entwickeln, wenn man ihnen Raum lässt

“Die Welt besteht aus Mut, Vertrauen und Feenstaub.”
- Peter Pan -

Was, wenn Du fliegst?

Es sind oft die stillen Momente, in denen man innehält und merkt, dass man ein Leben führt, von dem man früher nur geträumt hat. In einem meiner Lieblingskinderbücher fragt Wendy Peter Pan kurz bevor sie ihm zum ersten Mal in die Luft folgt: „Was ist, wenn ich falle?“ Und Peter antwortet: „Aber, meine Liebe, was ist, wenn du fliegst?“

Ich war schon immer jemand, der viel nachdenkt. Aber anstatt mir nur vorzustellen, was schiefgehen könnte, habe ich gelernt, mir auch auszumalen, was gut laufen könnte. In den letzten zwei Wochen ist mir wieder bewusst geworden, wie selten sich Dinge ausschließlich durch Planung entwickeln und wie oft sich Wege einfach ergeben.

Wo alles begann

Priyanka und ich haben uns vor sieben Jahren während eines Bergsteigenkurses am Nehru Institute of Mountaineering kennengelernt. Es war für uns beide der erste Basic Mountaineering Course. Ihre Familie stammt aus Pithoragarh, einer kleinen Bergstadt in den Ausläufern des Himalaya in Uttarakhand, aufgewachsen ist sie in Haldwani, wo die Landschaft langsam flacher wird. Damals stand sie kurz vor dem Abschluss ihres Masterstudiums in Geografie, und ich beendete gerade eine zehnjährige Laufbahn als Ökonomin.

Wir beide standen an Wendepunkten, ohne zu ahnen, wie eng sich unsere Wege später verbinden würden. Rückblickend war das einer dieser Momente, die zunächst unscheinbar wirken und sich erst später als entscheidend herausstellen.

Mountaineering babysteps

Kurz vor diesem Kurs hatte ich eine längere Trekkingtour in Ladakh gemacht, zweiundzwanzig Tage entlang des Zanskar-Flusses mit einem Freund und einem einfachen Zelt. Am Ende war ich selbst ein wenig überrascht, dass ich das so durchgezogen hatte, gleichzeitig aber auch bestärkt. Eine Woche später war ich allein auf einer weiteren Tour in großer Höhe unterwegs.

Während dieser zweiten Wanderung begegnete ich kurz einem französischen Bergführer, der später nach Dharamshala kam. Ich nahm ihn mit zu Yogastunden und zu einer Lesung des Dalai Lama, und er nahm mich abseits der Wege in die umliegenden Berge mit. Als ich ihm von meiner Idee erzählte, einen Bergsteigerkurs zu machen, nahm er mir meine Zweifel und ermutigte mich, mich anzumelden. Im Nachhinein war diese Begegnung eine dieser kleinen Auslöser, die eine Richtung verändern können. Wenige Tage später saß ich im Bus nach Uttarkashi. Dort habe ich Priyanka kennengelernt.

Während des Kurses teilten wir uns zwei Wochen lang ein Zelt mit sechs weiteren Frauen, auf etwa dreitausendachthundert Metern Höhe nahe dem Gangotri-Gletscher. Gemeinsame Anstrengung verbindet schnell, schwere Lasten tragen, Geschirr in eiskaltem Gletscherwasser spülen und die wenigen Snacks aufteilen. Priyanka war kulinarisch bestens vorbereitet, ich eher weniger. In dieser Zeit habe ich auch meine ersten Worte Hindi gelernt. Daraus hat sich später ein Masterstudium in Südasienstudien entwickelt, das mich nun seit einigen Jahren begleitet und hoffentlich bald mit meiner Abschlussarbeit endet.

Unterwegs im "echten" Indien

Nach dem Kurs luden mich Priyanka und andere Teilnehmer*Innen ein, ihre Familien zu besuchen. Ich war einen Monat lang in Uttarakhand unterwegs, habe Familien kennengelernt und Menschen wiedergetroffen, zu denen ich trotz der kurzen Zeit bereits eine Verbindung hatte. Am längsten blieb ich bei Priyanka und ihrer Familie. Seitdem sind wir gemeinsam durch Indien und Nepal gereist und gewandert, und ich bin immer wieder zu ihrer Familie zurückgekehrt. Ihre Mutter Saroj erkundigt sich regelmäßig nach meinem Wohlbefinden und erinnert mich daran, vorbeizukommen, wenn ich zu lange nicht da war. Vor Kurzem habe ich meine eigene Mutter mitgebracht, und wir haben gemeinsam die Hochzeit von Priyankas Bruder gefeiert. Manche Beziehungen entstehen leise und bleiben dann einfach bestehen.

Als Priyanka ihre Ausbildung zur Bergführerin fortsetzte und begann, als Reiseleiterin zu arbeiten, war für mich klar, dass wir irgendwann auch gemeinsam arbeiten würden. Mit einer freien Phase Mitte Februar ohne feste Touren haben wir die Gelegenheit genutzt, gemeinsam durch Nordindien zu reisen.

Amritsar & Dharamshala

Nach unserem Start in Amritsar, wo wir die besondere Atmosphäre des Goldenen Tempels erlebt haben, ging es weiter nach Dharamshala. Als ich denselben Weg hinauf nach Triund ging, den ich Jahre zuvor mit dem französischen Bergführer gelaufen war, wurde mir bewusst, wie viel sich seitdem verändert hatte. Diesmal hatten wir ohne Planung Glück, der Dalai Lama war vor Ort, und Priyanka konnte zum ersten Mal an einer seiner Zeremonien teilnehmen. McLeod Ganj, der obere Teil von Dharamshala, hat eine ganz eigene Atmosphäre. Die tibetische Exilgemeinschaft prägt den Ort, Gebetsfahnen, Räucherstäbchen und eine spürbare Ruhe sind allgegenwärtig. In diesem Moment wurde mir klar, wie viele einzelne Erfahrungen inzwischen zusammengehören.

Rishikesh

Vor einigen Jahren war ich nur eine Nacht in Rishikesh, auf der Durchreise nach dem Kurs. Es war überwältigend, Pilger am Ganges, Rituale, Tempel und gleichzeitig der Abschied von neuen Freund*innen. Wirklich erlebt habe ich den Ort damals nicht. Trotzdem ist etwas geblieben, das Gefühl, noch einmal zurückzukommen. Dieses Mal blieb ich zwei Wochen. Ich wohnte in einem Ashram, praktizierte täglich Yoga und gewöhnte mich langsam an den Rhythmus am Fluss. Manche Orte versteht man erst beim zweiten Besuch.

Tibetan Singing Bowls

Kurz bevor sich unsere Wege wieder trennten, entdeckte ich zufällig einen Kurs für tibetische Klangschalen. Erste Erfahrungen damit hatte ich bereits in Nepal gemacht, hatte aber lange keinen vertraute Lehrerin gefunden. Dieses Mal passte es. Ich hatte Zeit und habe mich angemeldet. Wir begannen mit den Grundlagen, wie man die Schalen hält, anschlägt und gleichmäßige Schwingungen erzeugt. Später arbeiteten wir auch damit direkt am Körper. Für mich war der Zugang vertraut einfach. Klang wirkt direkt, ohne viel Erklärung. Die Atmung wird ruhiger, der Körper entspannt sich, der Kopf wird klarer. Nach einer Kombination aus Yin Yoga und Klang begann ich darüber nachzudenken, wie sich dieses Erlebnis in die Berge übertragen ließe. Über die Schule ergab sich der Kontakt zu einer Manufaktur in Kathmandu. Während ich diesen Text schreibe, werden dort gerade meine eigenen Klangschalen gefertigt. Ein weiterer Schritt, der sich eher ergeben hat, als dass ich ihn geplant hätte.

Träume sind zum Wahrwerden da

Als ich 2019 meinen Job als Ökonomin gekündigt habe und nach Indien und Nepal gereist bin, hatte ich keinen konkreten Plan. Vieles war offen, manches unsicher. Erst im Rückblick wird deutlich, dass ich damit bereits die Grundlage für Shanti Treks gelegt habe. Ich habe Routen kennengelernt, Orte erkundet und verstanden, wie man sich in diesen Regionen bewegt.

Heute wirkt vieles weniger zufällig, als es sich damals angefühlt hat. Begegnungen, Entscheidungen und kleine Schritte, die zunächst unbedeutend schienen, greifen ineinander. Gespräche, die nur kurz gedauert haben, wirken lange nach. Situationen, die zufällig erschienen, haben später eine Richtung vorgegeben. Auch Phasen der Unsicherheit hatten ihren Platz. Nicht alles ergibt sofort Sinn, und nicht jeder Schritt muss von Anfang an klar sein. Oft zeigt sich erst mit etwas Abstand, wie sich einzelne Erfahrungen verbinden.

Wenn dich Teile dieser Geschichte ansprechen, ist es vielleicht ein guter Moment, selbst etwas Neues auszuprobieren. Alle Informationen zu unserer nächsten Reise findest du hier:

Indien hautnah – Eine Reise durch Kulturen, Religionen und den Himalaya

Und wenn du meine Klangschalen selbst erleben möchtest, bringe ich sie zu den kommenden Yoga-Wochenenden und Tageswanderungen mit.Top of Form

Haus Spitzingsee mit Mie, 23.-26. Juli

Meissnerhaus, 3.-6. September

Faneshütte, 28. September – 2. Oktober

Tageswanderungen mit Yin and Sound Bath am Haus Spitzingsee